Der fünfte Tibeter
„Guten Morgen der Herr! Schwarzen Kaffee?“
„Wie immer!“ geb ich mit mir selbst sprechend und lächelnd meine Bestellung auf. Ich wohne allein.
Obwohl ich meist Tee zum Frühstück trinke, bestelle ich heute mal Kaffee. Kaffee macht mich so hyperaktiv.
Ich fülle den Espresso in die Kanne und stelle den Wasserkocher an.
Der Laptop wartet schon schnurrend wie ein Kätzchen auf meinem Frühstückstisch und frisst eine Ladung Windenergie. Das hoffe ich zumindest, während ich die Fingernägel mit den Schneidezähnen kürzend, schon mal eine Kaffeetasse auf den Tisch stelle. Ich bin nervös.
Mir fällt nix ein.
Dehn dich erst mal!
Ich strecke erst mal ein paar Glieder und mache in Gedanken Yoga.
Dabei bin ich schon beim 5. Tibeter. Das Kinn etwas tiefer auf die Brust, denk ich schmunzelnd, so müsste es gehen.
Bewegung ist gut!
Dann mach ich Sport. Gedanklich natürlich. Ich führe meine Nase zur Schulter und rieche erst an meiner linken, dann an der rechten Achselhöhle und denke, dass ich wer weiß wie gelenkig bin, und komme mir heute Morgen sehr männlich vor.
Bei guter Kondition, brauch ich ehrlich gesagt gut und gern vier bis fünf Tage hintereinander nicht duschen. Dabei bin ich danach bei meinen morgendlichen Übungen meist so sexualisiert von meinem eigenen Körpergeruch, dass ich so gut wie nichts schreiben kann.
Der Duft der ofenwarmen Croissants steigt mir in die Nase.
Frische Luft ist gesund!
Gestern habe ich mir vorgestellt, ich stünde im Park und praktiziere
Thai-Chi, vorgestern Kick-Boxen, davor den Tag Ikebana. Das würde Spaß machen.
Entspann dich!
Als Entspannungsübung öffne ich jovial mit der rechten Hand das linke, untere Fenster im Wohnzimmer, danach das linke Oberfenster; das gleiche tue ich auf der rechten Fensterseite, allerdings mit der linken Hand. Das ist gleichzeitig mein Warm-Up für meine Hände zum Schreiben am Laptop.
Mein Muskelkater vom Vortag macht sich dabei bemerkbar. Doch ich bin mittlerweile besser trainiert. Solch eine Zerrung, wie noch vorletzte Woche, würde ich mir beim Staub saugen nicht mehr holen.
Aufwärmen ist wichtig!
Zum Abkühlen, denke ich vergnügt, hätte ich ins Freibad schwimmen gehen können. Ich stell mir dazu schönes Wetter vor, wie ich das wirklich getan hätte und wie kühl doch 24°C sein können, wie dick meine Augen danach vom Chlor sein würden, wie ich dusche und mich mit meinem großen, roten Frotee-Handtuch abtrockne. Im Becken wäre ich in Gedanken beinah ertrunken, da mir beim Luftholen fast ein besonders guter Lacher hätte eingefallen können. Aber jemand hätte ja meine Bahn gekreuzt und deswegen wäre mir der Lacher entfallen und würde nun in all dem Laub und anderer Leute Haare auf dem Beckenboden des Prinzenbades dümpeln.
Auf dem Stuhl am Tisch sitzend überrascht mich mein Chi und drückt mich in die Rückenlehne. Ich verschlabbere dabei etwas Kaffee. Und - Ying-Yang bimmelt es auch noch an meiner Tür. Gelassen renne ich hin und freu mich über den Zimmerspringbrunnen, den ich bei Ebay ersteigert habe, und, dass der Tag durch ein ausgedehntes Feng-Shui einen guten Anfang nimmt.
Nachdem ich in Ruhe Kaffee getrunken und mein Croissant gegessen habe, baue ich den Zimmerspringbrunnen sofort auf. „For a better Flow“ steht auf der Packung.
Dann setz ich mich ans Laptop.
Was schreibe ich denn heute Witziges? frag ich die Milchpackung
Ich tippe:
der Konjunktiv ist nicht würdelos, eher ein Möchtegern.
ääh
hätte
könnte
wäre
würde.
Man muss was tun. Nicht nur was wollen zu tun.
Hm. Klingt doof. Geht aber den ganzen Tag jetzt so weiter.
Gegen Abend sind meine Witze so gut, dass ich schallend lache. Ich halte mir den Bauch, stoße mir den Kopf und prelle mir drei Rippen, als ich beim auf dem Boden rum kugeln auf das grüne Sofa mit dem Samtbezug treffe und der Zimmerspringbrunnen auf mich fällt.
Das ist gut. Das ist wirklich gut.
Später, im Bett, habe ich Schmerzen beim Atmen. Morgen werde ich etwas kürzer treten und Tee trinken. Soviel Stress vertrag ich nicht.
go bäck again...

~
© 2007 lorenzodigiovanni.twoday.net
„Wie immer!“ geb ich mit mir selbst sprechend und lächelnd meine Bestellung auf. Ich wohne allein.
Obwohl ich meist Tee zum Frühstück trinke, bestelle ich heute mal Kaffee. Kaffee macht mich so hyperaktiv.
Ich fülle den Espresso in die Kanne und stelle den Wasserkocher an.
Der Laptop wartet schon schnurrend wie ein Kätzchen auf meinem Frühstückstisch und frisst eine Ladung Windenergie. Das hoffe ich zumindest, während ich die Fingernägel mit den Schneidezähnen kürzend, schon mal eine Kaffeetasse auf den Tisch stelle. Ich bin nervös.
Mir fällt nix ein.
Dehn dich erst mal!
Ich strecke erst mal ein paar Glieder und mache in Gedanken Yoga.
Dabei bin ich schon beim 5. Tibeter. Das Kinn etwas tiefer auf die Brust, denk ich schmunzelnd, so müsste es gehen.
Bewegung ist gut!
Dann mach ich Sport. Gedanklich natürlich. Ich führe meine Nase zur Schulter und rieche erst an meiner linken, dann an der rechten Achselhöhle und denke, dass ich wer weiß wie gelenkig bin, und komme mir heute Morgen sehr männlich vor.
Bei guter Kondition, brauch ich ehrlich gesagt gut und gern vier bis fünf Tage hintereinander nicht duschen. Dabei bin ich danach bei meinen morgendlichen Übungen meist so sexualisiert von meinem eigenen Körpergeruch, dass ich so gut wie nichts schreiben kann.
Der Duft der ofenwarmen Croissants steigt mir in die Nase.
Frische Luft ist gesund!
Gestern habe ich mir vorgestellt, ich stünde im Park und praktiziere
Thai-Chi, vorgestern Kick-Boxen, davor den Tag Ikebana. Das würde Spaß machen.
Entspann dich!
Als Entspannungsübung öffne ich jovial mit der rechten Hand das linke, untere Fenster im Wohnzimmer, danach das linke Oberfenster; das gleiche tue ich auf der rechten Fensterseite, allerdings mit der linken Hand. Das ist gleichzeitig mein Warm-Up für meine Hände zum Schreiben am Laptop.
Mein Muskelkater vom Vortag macht sich dabei bemerkbar. Doch ich bin mittlerweile besser trainiert. Solch eine Zerrung, wie noch vorletzte Woche, würde ich mir beim Staub saugen nicht mehr holen.
Aufwärmen ist wichtig!
Zum Abkühlen, denke ich vergnügt, hätte ich ins Freibad schwimmen gehen können. Ich stell mir dazu schönes Wetter vor, wie ich das wirklich getan hätte und wie kühl doch 24°C sein können, wie dick meine Augen danach vom Chlor sein würden, wie ich dusche und mich mit meinem großen, roten Frotee-Handtuch abtrockne. Im Becken wäre ich in Gedanken beinah ertrunken, da mir beim Luftholen fast ein besonders guter Lacher hätte eingefallen können. Aber jemand hätte ja meine Bahn gekreuzt und deswegen wäre mir der Lacher entfallen und würde nun in all dem Laub und anderer Leute Haare auf dem Beckenboden des Prinzenbades dümpeln.
Auf dem Stuhl am Tisch sitzend überrascht mich mein Chi und drückt mich in die Rückenlehne. Ich verschlabbere dabei etwas Kaffee. Und - Ying-Yang bimmelt es auch noch an meiner Tür. Gelassen renne ich hin und freu mich über den Zimmerspringbrunnen, den ich bei Ebay ersteigert habe, und, dass der Tag durch ein ausgedehntes Feng-Shui einen guten Anfang nimmt.
Nachdem ich in Ruhe Kaffee getrunken und mein Croissant gegessen habe, baue ich den Zimmerspringbrunnen sofort auf. „For a better Flow“ steht auf der Packung.
Dann setz ich mich ans Laptop.
Was schreibe ich denn heute Witziges? frag ich die Milchpackung
Ich tippe:
der Konjunktiv ist nicht würdelos, eher ein Möchtegern.
ääh
hätte
könnte
wäre
würde.
Man muss was tun. Nicht nur was wollen zu tun.
Hm. Klingt doof. Geht aber den ganzen Tag jetzt so weiter.
Gegen Abend sind meine Witze so gut, dass ich schallend lache. Ich halte mir den Bauch, stoße mir den Kopf und prelle mir drei Rippen, als ich beim auf dem Boden rum kugeln auf das grüne Sofa mit dem Samtbezug treffe und der Zimmerspringbrunnen auf mich fällt.
Das ist gut. Das ist wirklich gut.
Später, im Bett, habe ich Schmerzen beim Atmen. Morgen werde ich etwas kürzer treten und Tee trinken. Soviel Stress vertrag ich nicht.
go bäck again...
~
© 2007 lorenzodigiovanni.twoday.net
Lorenzodigiovanni - 21. Mrz, 19:43

Ob das beim Abschleimen hilft, ist allerdings fraglich, lieber Waschsaloon..
-> http://waschsalon.twoday.net/stories/3480139